post industrial

Relating to or denoting an economy which no longer 
relies on heavy industry. [Oxford Dictionaries]

post industrial wines

Seit Jahrtausenden ist Wein Teil unserer Geschichte, zumindest im mitteleuropäischen Raum. Lange einfach ein Bestandteil der meisten landwirtschaftlichen Betriebe, hat sich dieses Handwerk weitgehend emanzipiert, verselbstständigt und teilweise weit vom Ursprung entfernt. Betriebe, die Wein in industriellen Mengen herstellen, sind seit dem letzten Jahrhundert keine Seltenheit mehr. Gewisse Konsumenten finden sogar die synthetische Weinproduktion eine interessante Geschichte.

 

Momentan erleben wir eine Polarisierung in der Weinbranche, wobei die sogenannten Naturweine den Gegenpol zu der oben genannten Entmenschlichung darstellen. Die Menschen, die dieses Konzept für ihre Erzeugnisse beanspruchen, definieren den Begriff oft auf ganz unterschiedliche Art und Weise, was teilweise dem besseren Verständnis im Wege steht. Für mich ist diese Bewegung eine Avantgarde, die oft über das Ziel hinaus schiesst, dabei aber auch eine grosse Quelle der Inspiration darstellt.

Der Boden, der Respekt für die Erde, für das Handwerk, das Bewusstsein dafür, dass wir nicht alles im Griff haben, dass die Natur oft eine bessere Lösung bereit hält, all das rückt dank der Naturwein-Bewegung wieder in den Vordergrund. Auf der anderen Seite habe ich mit offensichtlichen önologischen Fehlern Mühe, verstehe nicht wieso der Respekt für den Konsumenten ein wenig abhanden gekommen ist und würde es gerne sehen, wenn der Meinungsaustausch weniger radikal vonstatten ginge.

Darum bezeichne ich meine Weine als post industrial. Weit weg von der Massenproduktion, nahe bei der Natur und nahe bei dir, denn du sollst schlussendlich Spass an dem edlen Tropfen haben. Ich schrecke nicht davor zurück ein wenig Schwefel einzusetzen, oder mal bei Trauben aus mediterranem Klima ein wenig Weinsäure in die Gärung zu geben, aber nur unter der Voraussetzung, dass es dem Ergebnis tatsächlich dient.

Mein Ansatz – eine heikle Gratwanderung – besteht aus dem Versuch den aktuellen Wissensstand mit seit eh und je Bewährtem sinnvoll zu kombinieren. Dabei stütze ich mich mehr auf meine Intuition wie auf Lehrbücher. Mit wachen Sinnen, immer offen etwas Neues auszuprobieren und immer bereit, alles wieder in Frage zu stellen, ist meine Neugier meine grösste Stärke.

Für dich bedeutet das, dass ich dich auf dem Laufenden halte. Um mehr über diesen Spagat zwischen Tradition und Innovation zu erfahren und um das Zusammenspiel von Kopf und Bauch zu verdeutlichen. Es bedeutet auch, dass ich mich ausserhalb der konventionellen Strukturen bewege und dass mir dein Feedback echt wichtig ist. WINEMAKER’S note ist die Plattform dazu.

Die Soziologie versteht unter dem Begriff post industrial auch noch andere Konzepte, als nur der shift von einer produktions-getriebenen Gesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft.

Für mich passt die Bezeichnung post industrial wines dennoch, weil ich meine Arbeit als eine Dienstleistung an dir sehe. Weil eine Flasche Wein viel mehr ist als nur vergorener Traubensaft. Weil ich in meinem Wirken der Umwelt, den Mitmenschen und den Beziehungen grossen Respekt zolle. Weil ich überzeugt bin, dass Machen wichtiger ist als Urteilen, Teilen mehr bringt wie Besitzen. Weil ich lieber den Wein sprechen lasse; und noch lieber einfach zuhöre.